Durch ihre historischen, theoretischen und forschungspraktischen Wurzeln in Ethnologie und Anthropologie liefert die Ethnographie stets Interpretationen von als „fremd“ begriffenen Kulturen und arbeitet seit der „Krise der Repräsentation“ in dem Bewusstsein, dass gerade die verstehende Aneignung des Differenten immer auch (post-)koloniale Beziehungen politischer und ökonomischer Abhängigkeit transportierte. Differenz lässt sich also allgemein in der Ethnographie niemals nur einfach (an)erkennen und auch ethnographisch-erziehungswissenschaftliche Forschung kann sich, Differenz im Forschungsprozess (an)erkennend, nicht des Normativitätsproblems der Pädagogik entledigen. Vielmehr ist auch wissenschaftliche Erkenntnis und Anerkennung von Differenz gerade in pädagogischen Feldern stets nur paradoxal zu denken. Die gesellschafts- und bildungspolitisch neu entbrannten Debatten um verschiedene Formen von Differenzen und damit auch die in Zusammenhang stehenden Fragen eines ungleichen Zuganges zu gesellschaftlichen Ressourcen werden bei dieser Tagung zum Anlass genommen, Auseinandersetzungen erziehungswissenschaftlich-ethnographischer Forschung mit Fragen der Produktion und Wirkungen von Differenzen weiterzuentwickeln.

Mit der thematischen Ausrichtung wird also an Debatten über die Auswirkungen gesellschaftlicher Machtstrukturen und Herrschaftsverhältnisse, über Ungleichheit und Fragen der Gerechtigkeit auch in der internationalen Ethnographie und in der Bildungsforschung angeschlossen.

 

Due to its historical, theoretical and practical roots in ethnology and anthropology, ethnography always provides interpretations of cultures conceptualized as “different” and, following the “crisis of representation,” has worked in the awareness that a knowing acquirement of difference in particular transports (post-)colonial relationships of political and economic dependency. Within ethnography in general, difference can never be simply acknowledged; and educational-ethnographic research, acknowledging difference within the process of researching, cannot dispose of the educational problem of normativity. Rather, scientific findings and the acceptance of difference have to be thought of as paradoxical, in particular in educational fields. Drawing on current social debates about diverse forms of differences and the related questions of unequal access to social resources, this conference will develop further the engagement of educational-ethnographic research with questions relating to the production and effects of difference.

The thematic focus of the conference ties in with debates in international ethnography and in educational-ethnographic research about the effects of social power structures, about inequality and questions of justice.